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Warum der Satz „Mitarbeiter verlassen nicht Unternehmen, sondern ihre Chefs, ein Mythos ist

Autor: Dr. Michael Zeisig · Erstmals veröffentlicht: 15. Oktober 2024

Eine Pflanze mit dichtem Wurzelballen steht neben einem größeren Topf.
Bildquelle: KI-generiert

Warum der Satz „Mitarbeiter verlassen nicht Unternehmen, sondern ihre Chefs, ein Mythos ist

Ein oft gehörter Satz ist, dass Mitarbeiter nicht Unternehmen, sondern ihre Vorgesetzten verlassen. Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich darin?

Selbsteinschätzung und Fremdbild
Könnte es sein, dass einige Mitarbeiter auch ihre Chefs verlassen, weil sie sich in ihren Fähigkeiten maßlos überschätzen und z.B. nicht die selbst erwartete Führungspositionen erhalten. Sie gehen mit dem Vorwurf, ihre Chefs böten keine Entwicklungsmöglichkeiten, ohne zu erkennen, dass eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Fremdbild eine viel lohnendere Entwicklung gewesen wäre als die Beförderung zur Führungskraft.

Daten sprechen eine andere Sprache
Auch die Culture Amp's Daten, analysiert von Dr. Jason McPherson, zeigen, dass schlechte Führung zwar auch ein Grund für Kündigungen ist, aber nicht der Hauptgrund, warum Menschen Unternehmen verlassen. In "guten" Unternehmen können Führungskräfte einen Unterschied machen, in "schlechten" Unternehmen hat die Qualität der Führung wenig bis keinen Einfluss auf die Entscheidung eines Mitarbeiters zu gehen.

Führung vs. System
Auch ist häufig zu beobachten, dass Mitarbeiter ihre Führungskräfte für mangelnde Karrierefortschritte verantwortlich machen, obwohl oft systemische Faktoren eine Rolle spielen: z.B. wenn Unternehmen auf eher flache Hierarchien setzen, dann ist die Anzahl der Führungspositionen schlichtweg begrenzt. Entscheidender ist, dass Unternehmen ein Umfeld schaffen, das kontinuierliches Lernen und echte Entwicklungsmöglichkeiten auch jenseits von Führungskarrierepfaden bietet. Ein gut strukturiertes Feedbacksystem kann ebenfalls helfen, dass Mitarbeiter eine realistische Einschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten erhalten. Sind diese Wachstumsmöglichkeiten gegeben und wird offen kommuniziert, kann gute Führung einen signifikanten Unterschied in der Mitarbeiterbindung ausmachen.

Fazit
Den Satz „Leute kündigen nicht bei Unternehmen, sie kündigen bei ihren Vorgesetzten“ würde ich daher so nicht 1:1 unterschreiben - vor allem dann, wenn man den Abtrünnigen eigentlich zurufen müsste: „Darf ich vorstellen: Dein Fremdbild - ihr kennt Euch noch nicht“.

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